Ausrüstung & Packliste

Was brauche ich wirklich? Und was wirklich nicht?

Einleitung

Viele von euch tüfteln, basteln und bauen an ihren Rallye-Bikes. Wir wollen euch hier einmal ein paar kleine Tipps bzw. Gedanken mit auf den Weg geben.

Wir sind selbst schon mit allen möglichen Fahrzeugen auf diesem Planeten unterwegs gewesen, erheben allerdings in keinster Weise den Anspruch, alles zu wissen. Trotzdem möchten wir hier ein paar Erfahrungen mit euch teilen.

Für die Österreich Rallye ist das alles nicht so heiß, für den Balkan ist einiges dabei und wer die Königsdisziplinen in Afrika fährt, der sollte unbedingt ab jetzt aufpassen.

Generelles

Es gibt ein paar Dinge, die wir euch ans Herz legen möchte.

Gewicht

Je leichter das Fahrzeug, desto weniger Probleme und umso mehr Spaß.

Am besten wäre es natürlich wenn ihr euch ein ordentliches Fahrwerk einbaut und alles aufeinander abstimmt. Dann sollte noch die Abgasanlage optimiert und der Vergaser (falls vorhanden) getuned werden. Aber hey… dann explodieren die Kosten und ihr müsst die restlichen Tage in der Garage und auf der Teststrecke verbringen. Vergesst das also einfach. Gewicht heißt das Zauberwort!

Reifen

Das Profil der Reifen hat nicht den Stellenwert, den man uns gerne einredet. Zumindest nicht für unsere Reisen. Reden wir über Schlamm oder Rennstrecke, dann sieht die Sache natürlich anders aus!

Sobald es in den Sand geht, sollten wir aber über Reifendruck sprechen – mehr dazu weiter unten.

Packen

Egal wie du packst: Das, was du brauchst, ist immer unten.

Dies wäre auch das Stichwort: Unten das schwere Zeugs und oben das Leichte. Hier geht es um den Schwerpunkt.

Ich sehe immer wieder Motorräder, die mit einer großen Rolle hinten oben fahren. Das ist zwar die billigste Art, Gepäck zu transportieren, was das Fahren angeht, aber auch das schlechteste. Mehr dazu weiter unten, und noch mehr in unserem Gepäck-Blog.

Teile - verfügbar vor Ort oder mitnehmen?

Grundsätzlich will ich hier keine Meinung dazu abgeben, da sich Geister kaum mehr scheiden als bei diesem Thema.

Meine Erfahrungen sind, dass ich nie das mithabe, was ich dann schlussendlich benötige.

Fakt ist: Sich Teile aus Europa schicken zu lassen, ist in Afrika auf keinen Fall eine Option. Das Problem ist der langwierige Zollprozess. Auch wenn ihr mit UPS o.ä. schickt, unter einer Woche werdet ihr keine Teile sehen. Im Balkan ist es besser. Aber auch nicht immer gut!

Selbsteinschätzung und Risikobereitschaft

Das sind die größten Troublemaker! Wir haben diesbezüglich sehr viel gelernt – hier gibt es unterschiedliche Typen:

Die alten Hasen sind die unauffälligen. Ihre Bikes kommen ohne Zusatzscheinwerfer aus und das Outfit ist nicht von der Rally Dakar. Aber sie schleichen langsam, leise und behutsam dahin und plötzlich sind sie da.

Die jungen Wilden bewaffnen sich mit allem, was Alibaba oder Touratech so empfiehlt. Viel Testosteron gepaart mit noch mehr Selbstvertrauen und den Bildern von Ricky Brabec oder Matthias Walkner vor Augen bezeichnen sie die spät abendliche Ankunft immer als gewollte Nachtetappe.

Gewicht & Gepäck

Die Reise 2019 nach Dakar oder unsere Rallye 2021 durch Marokko habe ich mit genau 20kg Gepäck (inkl. Taschen) bestritten – und das eine oder andere war trotzdem zu viel dabei.

Willst du alle Offroad Etappen fahren (Balkan & Afrika), dann ist das Gewicht dein größter Gegner.
In Österreich ist es aufgrund des geringen Offroad-Anteils (und wenn sind es keine Sandpassagen wie in Afrika) nicht so wichtig.

Anbei am Beispiel meines Bikes...

… mit einem Mosko Moto Reckless 40 System.

Die Vorteile dieses (oder eines ähnlichen) Systems: Das schwere Zeug kann man ganz unten einpacken und aufgrund der Befestigung kann nichts wackeln (beim Springen gibt das Fahrwerk eher den Geist auf als das Gepäck). Solltest du ein Hotel nehmen, hast du deine 7 Sachen in einer Minute vom Bike. Bei mir sind die leichten Sachen oben montiert (Zelt, Unterlegmatte und Schlafsack) und der Rest in den „dry bags“.

Ich habe dieses System seit 2018 auf allen möglichen Bikes montiert und war damit in Asien und in Afrika, bin durch den Balkan und habe sogar Hamburger Luft geschnuppert.

Bei der letzten Rallye ist das Motorrad exakt 7x auf dem Gepäck gelegen. Zwei Stürze davon waren auf Asphalt. Fazit: Mein Körper ist in einem schlechteren Zustand als das Gepäcksystem. Und es wird 2024 wieder dabei sein.

Das System wurde in der Zwischenzeit schon 3x weiterentwickelt und hat den Vorteil, dass du hier alle Ersatzteile bekommst, die du benötigst.

Mehr zum Thema Gepäck findest du in unserem entsprechenden Blog:

Motorradausrüstung

Motorrad-ausrüstung

Die richtige Schutzkleidung ist deine zweitbeste Versicherung - nach der zurückhaltenden Gashand.

Mein Teilnahme-Outfit an unseren Rallyes:

Eine Kevlar Hose von Fuel mit Protektoren, ein Protektorenhemd (soft), ein Crosshelm mit separater Brille und Cross Stiefel.

Hose: Hat den Vorteil, dass man die Protektoren einfach rauszieht und eine normale Hose hat.

Protektorenhemd: Aufgrund der langen Fahrzeiten ist es angenehmer zu tragen als wenn es aus Hartplastik (Motocross) ist. Solltest du einen Rucksack mithaben, dann ist die Kombination mit einem Crosspanzer noch weniger optimal.

Stiefel: Ich persönlich fahre mit richtigen Cross Stiefeln (Sidi Crossfire), da sie den besten Schutz bieten. Am Abend wechsle ich dann auf Flipflop – jegliche andere Art von Schuhen nehmen mir zu viel Platz weg.

Camelpak / Rucksack: Jedes Kilo, das du am Rücken hast, ist eine Belastung. Ab dem 3. Tag tun dir die Schultern weh. Außerdem schwitzt du unter dem Rucksack noch mehr als ohnehin schon.

Ich fahre je nach Bike / Strecke mit einer Trinkblase im Tankrucksack und nehme zusätzlich Wasser in den Seitentaschen mit.

Als zweite Variante habe ich einen Trinkrucksack, in dem ausschließlich die Trinkblase platz hat, um nicht auf die Idee zu kommen noch dies oder das einzupacken.

Reifen

Vor ein paar Jahren bin ich mit ziemlich abgefahrenen Reifen (TKC80) an den Start gegangen und wollte diese dann erst in Afrika wechseln.

To make a long story short: Ich bin die gesamte Rallye mit diesen Reifen gefahren und habe alle Offroadstrecken damit ohne Probleme bewältigt. Am Ende des Rodeos waren keine Noppen mehr sichtbar.

Viel wichtiger als der richtige Reifen: Luftdruck! Vor allem auf den Sandpassagen musst du den Druck drastisch reduzieren. Ich bin die schwierigste Passage mit 1,5bar gefahren und weiß, dass noch weniger noch besser gewesen wäre.

Schläuche: Ich fahre mit verstärkten Schläuchen – allerdings ist das Tauschen mühsam. Moose würde ich nicht empfehlen, da die Distanzen zu lange und die Geschwindigkeiten auf der Straße zu hoch sind.

Packliste

Auch hier gilt:
Unsere Auflistung ist nur als Empfehlung zu sehen und entspricht meiner persönlicher Packliste.

Gewand

  • 1 kurze Hose die auch als Badehose dient
  • 3x Unterwäsche
  • 3 T-Shirts – Funktionswäsche wie Merino Wolle. Merino stinkt nicht (oder auf jeden Fall weniger), nimmt wenig Platz weg (3 Merinoshirts sind so groß wie eines aus Baumwolle) und trocknet sehr schnell nach dem Waschen.
  • 1 Pullover
  • 1 Windjacke

Spezial-Tipp von der Rennleitung: Wäschemanagement!
Ich persönlich hab ein Outfit zum fahren und eines für die Abendveranstaltung.

Am Abend nach dem Duschen kommt das frische Zeug auf den Körper. In der Früh nehme ich wieder das Gewand vom Vortag. Vor allem in der Wüste schwitzt du spätestens nach der ersten Stunde am Bike. Da wäre das “schöne Shirt” auch schon wieder durch und durch geschwitzt.

Wenn ich am Abend dann wieder das Shirt / Unterhose etc. vom Vortag anziehe, dann kann ich das ein paar mal machen bis es zum Waschen wäre.

Campingzeug

  • Leichtes 2-Mann Zelt (1-Mann Zelt wäre noch besser),
  • Unterlegmatte
  • Schlafsack
  • Ich habe komplett auf Kocher etc. verzichtet und habe nur ein Messer dabei.
  • Ernährung für 24h ist keine schlechte Idee. Bei mir waren es „Power-Gel“ und Kekse.

Werkzeug & Ersatz-Teile

  • Das wichtigste ist Reifenmontierzeug (3 kurze Hebel, Flickzeug, Luftpumpe – wahlweise Hand- oder elektrische).
  • Zündkerzen, universelle Bowdenzüge und Sicherungen neben Kabelbinder, Motoröl und Kettenspray
  • Hebel (Kupplung und Bremse) sind meist gut unter der Sitzbank zu verstauen und daher keine schlechte Idee. Ich fahre mit ordentlichen Handguards und verzichte daher meist auf die Hebel.
  • Fährst du eine neue KTM, reicht meist der 10er und der 13er Schlüssel. Fährst du Retro, dann braucht es etwas mehr.

Packliste als PDF

Hier findet ihr noch unsere Packliste als PDF. Da jeder Mann / jede Frau eigene Bedürfnisse hat sollte man diese keinesfalls aus vollständig ansehen.

Aber sie kann dir als Anhaltspunkt dienen, damit du die wirkliche wichtigen Dinge nicht vergisst.